Viereckschanzen in Deisenhofen

Viereckschanzen in Bayern

Viereckschanzen sind eine typische Siedlungsform der Spätlaténezeit. Hauptsächlich treten sie in Bayern und Baden-Württemberg auf.
Charakteristisch ist die Kombination aus Wall und Graben als äußere Begrenzung. Die Ecken des Erdwalls sind spitz zulaufend und bei den obertägig erhaltenen Schanzen häufig überhöht. Der Graben verläuft vor dem Wall um die Anlagen und hat auch im Bereich des Tores keine Unterbrechung. Eine Brücke war somit als Zugang nötig.
Meist ist der Grundriss annähernd quadratisch bis rechteckig, mit Seitenlängen von 80 bis 100 m. Aber auch Abweichungen, wie trapezoide und fünfeckige Grundrisse oder die sogenannten Mehrfachschanzen sind bekannt. Bei diesen Anlagen wurde der Grundriss durch weitere Wälle und Gräben erweitert, wie bei den beiden größten Anlagen mit Flächen von 23 und 29 ha bei Deisenhofen.
Im Gemeindegebiet von Oberhaching sind sechs Anlagen bekannt, im benachbarten Holzhausen kommen zwei weitere hinzu. Besonders hervorgehoben werden, sollen hier die Mehrfachschanze “Im Lanzenhaarer Feld” und die trapezförmige Schanze “Im Laufzorner Holz”.

Mehrfachschanze "Im Lanzenhaarer Feld"

Bei der Mehrfachschanze in Deisenhofen ist parallel zum Feldweg eine hellere, breite Linie im Getreide zu erkennen, die den ehemaligen Graben rund um die Anlage markiert. Der Graben ist heute an zwei Seiten vollständig verfüllt und nicht mehr im Gelände zu erkennen. Im Luftbild weisen Unterbrechungen des Grabens auf Erdbrücken als ursprüngliche Zugänge hin, was eine Besonderheit darstellt, da in der Regel Brücken vor den Toren genutzt wurden.
Die Viereckschanze wurde in flachem Gelände errichtet. Ihr Grundriss besteht aus zwei Teilen, die sich ergänzten. Der Kernbereich bildet ein Rechteck mit etwa 140 x 125 m langen Seiten.
Wall und Graben sind im Nordwesten und Südosten vollständig erhalten. Sie erreichen eine Höhe von etwa 2 m, bis zur Sohle des davorliegenden Grabens 3 m. Die beiden anderen Seiten sind dagegen vollständig verebnet.
Am zentralen Bereich setzt ein Außenbezirk mit etwa 470 m langen Seiten an. Am angrenzenden Wald ist dieser Teil noch gut im Gelände als Wall und Graben zu sehen.

Viereckschanze "im Loh"

Nur 900m von Anlage im Lanzenhaarer Feld entfernt, befindet sich eine zweite Mehrfachschanze. Mit 29 Hektar ist sie sogar noch größer als die benachbarte Schanze und somit die größte Viereckschanze in Bayern.
Durch ihre Lage im Wald sind die Höhenunterschiede von Wall und Graben deutlich besser zu erkennen als im eingeebneten Ackerland.
Der Grundriss besteht aus drei Teilen. Zwei hintereinander gelegene Innenbereiche der Schanze werden von einem großen rechteckigen Außenbezirk umrandet.
Der Eingang zu den zentralen Bereichen im Norden der Anlage erfolgte über zwei parallele Eingänge, die über die beiden Wälle und Gräben führten.

Viereckschanze "Im Laufzorner Holz"

Auch ohne die Ausgrabung lassen sich Erkenntnisse über die Innenbebauung gewinnen. In der Viereckschanze im Laufzorner Holz konnten durch eine geophysikalische Messung mehrere Gebäude der ursprünglichen Bebauung festgestellt werden. Es handelt sich um hölzerne Pfostenbauten unterschiedlicher Größe. Etwa 100 m südlich der Schanze verlief die Römerstraße von Augsburg nach Salzburg. Im Airborne Laserscan sind der gerade Straßenverlauf und die beiderseits vorhandenen Materialentnahmegruben gut zu erkennen. Die keltischen Nutzer der Schanze waren zu römischer Teit wahrscheinlich schon nicht mehr heimisch. Die Anlage befindet sich in sehr flachem Gelände. Die spitzwinklige Form der Schanze und ihre Drehung um 45 Grad gegen die Nordsüdrichtung sind ungewöhnlich. Die Wälle bilden den markantesten und auffälligsten Teil der Viereckschanze. Im Gelände sind sie gut zu erkennen und die Wälle weisen eine Höhe von außen bis 2,8 m, von innen bis1,5 m auf. Die Seiten sind 106, 107, 75 und 82 m lang.

Rekonstruktion Viereckschanze

Eine hypothetische Rekonstruktion der Innenbebauung der Viereckschanzen in Deisenhofen ist mangels genaueren Wissens nicht sinnvoll. Als Beispiel für eine wissenschaftlich möglichst korrekt rekonstruierte Viereckschanze mit Innenbebauung, wird an dieser Stelle daher der Befund aus Pocking-Hartkirchen gezeigt.
Die Anlage im Landkreis Passau wurde 2006 von ArcTron komplett ausgegraben und untersucht. Die Ergenisse zu der einphasigen Schanze wurden anschließend in eine, genau den Befund berücksichtigende, plausible 3D-Rekonstruktion überführt.
Der Film zeigt den Grabungsbefund, exemplarisch den Aufbau eines keltischen Hauses und die rekonstruierte Lebendszene. Diese kann im vereinfachten 3D-Modell interaktiv erkundet werden.

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